ANTRIEB · TECHNIKVERGLEICH

E-Achse vs. Zentralmotor: SANY, MAN und Volvo unter der Lupe

Wo der Elektromotor sitzt, beeinflusst den Bauraum und die Integration des Fahrzeugs. Die Architektur entscheidet aber nicht allein über Verbrauch, Nutzlast oder Reparaturkosten. Wir zeigen die Unterschiede im Bild.

Weiße elektrische Sattelzugmaschine SANY e263 S mit sichtbarer Modellbezeichnung auf der IAA 2026
SANY e263 S (SYGM636C, 4×2) auf der IAA Transportation 2026. Die Aufnahme zeigt die Sattelzugmaschine, nicht das e263-R-Fahrgestell oder den e435-Fahrmischer.Foto: MarcelX42 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
MAN eTGX 20.544 neben einer ABB-Ladesäule auf der IAA Transportation 2024
MAN eTGX 20.544 4×2 mit Ladeanlage auf der IAA Transportation 2024. Messefahrzeug; Ausstattung separat prüfen.Foto: MarcelX42 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Technischer Konzeptvergleich mit klar benannten Beispielen: SANY e263 S beziehungsweise SYGM636C, MANs zum Verkaufsstart 2023 beschriebener eTGX-Antrieb und Volvo FH Aero Electric mit erweiterter Reichweite. Die Fotos zeigen die jeweils benannten Fahrzeuge oder Fahrgestelle. Die Zeichnungen bilden keine konkreten Herstellerbauteile maßstäblich nach.

Die gleiche Aufgabe, anders im Fahrzeug verteilt

Ein elektrischer Antrieb benötigt Motor, Leistungselektronik und eine mechanische Verbindung zu den Rädern. Beim Zentralantrieb liegt die Antriebseinheit im Rahmen; eine Kardanwelle überträgt die Kraft zur angetriebenen Achse. Bei einer E-Achse werden Antriebskomponenten an beziehungsweise in die Achseinheit integriert. Ein Radnabenmotor ist damit nicht automatisch gemeint.

MAN beschreibt die zentrale Einheit seiner ursprünglichen eTGX-Generation mit Motor, Inverter und Getriebe ausdrücklich im Bericht zum Verkaufsstart. SANY nennt für SYGM636C eine Doppelmotor-E-Achse. Diese Zuordnung erklärt die Architektur; sie ist noch kein Wirkungsgradvergleich.

BAURAUM IN DER DRAUFSICHT

Motor im Rahmen oder an der Achse?

Schematische Anordnung

Zentralantrieb

Beispiel: bisheriger MAN eTGX

Zentrale Antriebseinheit mit KardanwelleSchematische Draufsicht. Fahrerhaus oben, Batterien seitlich im Rahmen. Die goldene Einheit sitzt im Rahmen und ist durch eine Welle mit der Hinterachse verbunden. Nummern werden unter der Zeichnung erklärt. 0102
  • 01
    Batterien

    Grüne Blöcke zeigen nur beispielhaften Bauraum.

  • 02
    Zentrale Einheit + Welle

    Motor und Getriebe liegen im Rahmen. Eine Welle verbindet sie mit der Antriebsachse.

E-Achse

Beispiele: SANY e263 und Volvo · erweitert

Antriebseinheit in der HinterachseSchematische Draufsicht. Fahrerhaus oben, Batterien seitlich im Rahmen. Die goldene Einheit liegt in der Hinterachse; im mittleren Rahmenbereich ist keine zentrale Motor-Getriebe-Einheit eingezeichnet. Nummern werden unter der Zeichnung erklärt. 0102
  • 01
    Batterien

    Grüne Blöcke zeigen nur beispielhaften Bauraum.

  • 02
    Integrierte Antriebseinheit

    Motoren und Getriebe sind achsnah integriert. Anzahl und Anordnung unterscheiden sich je Konstruktion.

Keine maßstäbliche Herstellerzeichnung. Freies Prinzipschema: Batteriepositionen, Gehäuse, Abstände, Motorzahl und Befestigungen sind nicht nachgebaut. Die goldene Farbe kennzeichnet den Antrieb; sie zeigt keine tatsächlich freigelegte Komponente.

Grafik: Redaktion eTrucks24 · MAN: Zentralantrieb · SANY: E-Achse · Volvo: erweiterte Reichweite

Welche Modelle verwenden welches Konzept?

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Beispiele aus ausdrücklich benannten Herstellerunterlagen
Fahrzeug / DatenstandAntriebWas daraus nicht folgt
SANY e263 / SYGM636CZwei Motoren in der E-Achse, Zweiganggetriebe laut DatenblattKeine Aussage über den Verbrauch auf Ihrer Tour
MAN eTGX · Verkaufsstart 2023Zentrale Einheit, Kardanwelle; zwei oder vier Gänge je AuslegungKeine Übertragung aller Leistungswerte auf jede spätere Generation
Volvo FH Aero Electric · erweiterte ReichweiteE-Achse mit zwei Motoren und SechsganggetriebeKeine Gleichsetzung mit der Standardversion

Schon die verschiedenen Getriebe zeigen: „E-Achse“ bezeichnet keine einheitliche Baugruppe. Hersteller können unterschiedliche Übersetzungen, Motoren und Kühlkonzepte verwenden. Wer eine Lebensdauer oder Servicezeit vergleichen möchte, braucht die Unterlagen genau dieser Antriebsversion.

MAN eTGX 20.449 von hinten mit Sattelkupplung, Fahrgestell und orangefarbenen Hochvoltleitungen
MAN eTGX 20.449 auf der Nufam 2025. Blick auf Fahrgestell und Sattelkupplung. Messevariante; keine Abbildung der 2026 vorgestellten Batteriegeneration.Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
SERVICE & EINBAURAUM

Nach dem Datenblatt kommt die Werkstatt.

Am Fahrgestell werden die Platzverhältnisse greifbar. Für den späteren Betrieb zählt zusätzlich, welche Bauteile die Werkstatt einzeln tauschen kann und wie lange das Fahrzeug dafür steht.

  • Modul- oder Packtausch schriftlich beschreiben lassen.
  • Zuständige Hochvolt-Werkstatt benennen.
  • Ersatzteile, Diagnose und Stillstandskosten einplanen.

Mehr Bauraum ist ein Gestaltungsangebot

Volvo begründet die zusätzliche Batteriekapazität seiner erweiterten Version mit der kompakten E-Achsen-Anordnung. Das ist eine konkrete Beschreibung dieses Fahrzeugs. Daraus folgt keine allgemeine Regel, dass jede E-Achse mehr Energie mitführt oder jede zentrale Einheit einen zu kleinen Akku erzwingt.

Ein Fahrzeughersteller muss auch Radstand, Achsen, Fahrerhaus, Aufbau und Wartungszugang unterbringen. Freier Raum kann für Batterien genutzt werden, muss es aber nicht. Für einen Fuhrpark zählt die fertige Konfiguration: Passt der Auflieger? Bleibt genug Warenkapazität? Ist der benötigte Nebenabtrieb lieferbar? Die Architektur ist eine Eingangsgröße dieser Prüfung.

Detailansicht der beiden Hinterachsen und der Sattelkupplung eines türkisfarbenen Volvo FH Aero Electric
Volvo FH Aero Electric auf der IAA 2026: Sattelkupplung und zwei Hinterachsen. Messeaufnahme des Fahrgestells; Batterieinneres und E-Achse sind hier nicht freigelegt.Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
FAHRGESTELL IM DETAIL

Die dritte Achse ist Teil des Gesamtkonzepts.

Die zwei Hinterachsen und die Sattelkupplung sind auf dieser Aufnahme gut zu erkennen. Für den Vergleich zählen das komplette Fahrzeuggewicht und die angebotene Konfiguration mit dem eigenen Auflieger.

  • Achslasten bei realer Beladung bestätigen.
  • Radstand und Rangierbedarf am eigenen Hof prüfen.
  • Batterie- und Antriebsservice für diese Generation klären.

Servicekosten lassen sich aus der Motorposition nicht ablesen

Eine kompakte Einheit kann mehrere Funktionen zusammenfassen. Ob bei einem Schaden einzelne Teile, Module oder eine komplette Baugruppe getauscht werden, ergibt sich aus dem Servicekonzept. Eine zentrale Anordnung kann einen anderen Zugang bieten; auch daraus folgt ohne Arbeitsanweisung und Zeitansatz kein belastbarer Kostenvorteil.

Fragen Sie nach der Reparaturebene, der zuständigen Werkstatt und der Ersatzteilversorgung. Lassen Sie für typische Arbeiten erklären, welche Komponenten ausgebaut werden müssen und wie die Diagnose erfolgt. Eine pauschale Aussage wie „weniger Teile, also wartungsfrei“ wäre bei beiden Konzepten unzureichend.

VOR DEM ANGEBOTSVERGLEICH

Vier Fragen hinter dem Architekturbegriff.

Redaktioneller Prüfablauf
  1. 01

    Variante

    Antrieb, Getriebe, Modelljahr und Batteriepaket im Angebot eindeutig benennen.

  2. 02

    Einbau

    Auflieger, Aufbau, Nebenabtrieb und benötigten Bauraum zusammen prüfen.

  3. 03

    Service

    Diagnose, Reparaturebene und Ersatzteilversorgung für genau diese Einheit klären.

  4. 04

    Einsatz

    Verbrauch und Transportleistung auf demselben realen Auftrag vergleichen.

Rekuperation funktioniert bei beiden Architekturen

Der Motor kann beim Verzögern als Generator arbeiten und Energie an das elektrische System zurückgeben. Diese Fähigkeit ist nicht exklusiv einer E-Achse vorbehalten. MAN beschreibt sie auch für den zentralen Antrieb. Wie viel im Akku ankommt, hängt zusätzlich von Betriebszustand, Regelung und Strecke ab.

Der Rekuperationsratgeber zeigt deshalb einen Energiefluss statt eines Architekturgewinners. Auch eine höhere elektrische Spitzenleistung beweist keine bessere Energierückgewinnung über den ganzen Arbeitstag.

Die beste Auswahl entsteht aus dem Auftrag

Vergleichen Sie für SANY, MAN und Volvo zuerst die angebotene Variante und dann denselben Einsatz. Erfassen Sie Verbrauch, Nutzlast, Ladezeiten und die Anforderungen des Aufbaus. Bei Datenlücken gehört die Frage ins Angebot, nicht eine angenommene Zahl in die Tabelle. Konkrete Batteriedaten liefern die Vergleiche SANY gegen die bisherige MAN-Generation und neuer MAN gegen Volvo.