AKKUVERGLEICH · SANY & MERCEDES

SANY e263 S vs. Mercedes eActros 600: zwei LFP-Akkus kritisch verglichen

Beide setzen auf LFP. Der Unterschied liegt deshalb nicht einfach zwischen deutscher und chinesischer Batterietechnik, sondern zwischen nutzbarer Energie, Ladefreigaben und dem zugesagten Betrieb.

Weiße elektrische Sattelzugmaschine SANY e263 S mit sichtbarer Modellbezeichnung auf der IAA 2026
SANY e263 S (SYGM636C, 4×2) auf der IAA Transportation 2026. Die Aufnahme zeigt die Sattelzugmaschine, nicht das e263-R-Fahrgestell oder den e435-Fahrmischer.Foto: MarcelX42 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Mercedes-Benz eActros 600 als Sattelzugmaschine vor einem Logistikgebäude
Mercedes-Benz eActros 600 in Frankfurt-Ostend, Dezember 2024.Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Vergleichsgrundlage: SANY e263 S als 4×2-Sattelzugmaschine und Mercedes-Benz eActros 600 mit ProCabin und drei Batteriepaketen. Herstellerangaben und eigene Rechenbeispiele; kein gemeinsamer Fahrtest. Die Titelbilder zeigen echte Fahrzeuge der benannten Modelle.

636 und 621 kWh sind noch kein großer Praxisabstand

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Kapazitäts- und Ladeangaben mit getrennten Definitionen · Stand 10.10.2026
KriteriumSANY e263 SMercedes eActros 600
ZellchemieLFP, Batterie von EVE Energy laut SANYLFP
Installierte Kapazität636 kWh621 kWh Nennkapazität
Nutzbare Energie623 kWh laut IAA-MitteilungMehr als 95 % der installierten Kapazität laut Daimler Truck; hier kein exakter Nettowert
CCS2-SpitzenleistungBis zu 400 kWBis zu 400 kW
Weiteres SchnellladenBis zu 700 kW mit Dual Gun laut IAA-MitteilungMCS auf der deutschen Modellseite als zukünftige Funktion beschrieben
KAPAZITÄT RICHTIG LESEN

Wie viel Energie ist wirklich nutzbar?

Gleicher Maßstab · 0–700 kWh

Die Länge zeigt die angegebene Kapazität. Die Füllung unterscheidet einen belegten Nettowert von einer offenen Angabe.

SANY e263 SLFP · 636 kWh installiert
623 kWh nutzbar

13 kWh Differenz; rund 98 % der installierten Energie sind laut Hersteller nutzbar. Herstellerquelle ↗

Mercedes-Benz eActros 600LFP · 621 kWh Nennkapazität
Mehr als 95 % nutzbar

Mehr als 95 % nutzbar laut Daimler Truck. Exakter Nettowert offen; die Markierung zeigt nur die 95-%-Grenze. Herstellerquelle ↗

Belegte nutzbare Energie Differenz zur installierten Energie Keine exakte Nettoangabe

Herstellerangaben zur benannten Variante, Stand 10.10.2026. Kein Reichweitenvergleich: Verbrauch, tägliches Ladefenster, Ankunftsreserve und Alterung kommen bei der Tourenplanung hinzu.

Grundlagen: SANYs IAA-Mitteilung zum e263S und Daimlers Batterieerläuterung. Die CCS-Grenze von Mercedes steht in der verlinkten Varianteninformation.

Der Abstand der installierten Werte beträgt nur 15 kWh, rund 2,4 Prozent bezogen auf den Mercedes. Daraus entsteht kein entsprechend großer Reichweitenvorteil. Bei der nutzbaren Energie ist SANY genauer: 623 kWh ist ein konkreter Wert. „Mehr als 95 Prozent“ beim Mercedes ist dagegen eine Grenze, keine exakte Nettoangabe. 621 × 0,95 ergibt 589,95 kWh; diese Rechnung darf nicht als präzise Nettokapazität des eActros veröffentlicht werden.

AKKUTECHNIK VERSTEHEN

Gleiche Zellchemie. Nicht der gleiche Akku.

Schematische Zeichnung

Beide hier verglichenen Lkw nutzen LFP-Zellen. Der Blick auf den Aufbau zeigt auch, was sie von NMC unterscheidet. Die Kapazität und Auslegung des gesamten Batteriesystems bleiben fahrzeugspezifisch.

LFP

Lithium-Eisenphosphat

Kathodenmaterial: LiFePO₄

SANY e263 S und Mercedes eActros 600

LFP: schematischer Schichtaufbau einer Lithium-Ionen-Zelle 01: Graphit-Anode. 02: Separator. 03: Lithium-Eisenphosphat-Kathode. 04: Elektrolyt zwischen und in den porösen Schichten. Der Pfeil zeigt den Weg der Lithiumionen beim Entladen. Explosionszeichnung, kein tatsächlicher Herstellerakku. 010203 Li⁺Li⁺ Lithiumionen beim Entladen → 04
FePO

Eisen + Phosphat
Kein Nickel oder Kobalt in der Kathode.

NMC

Nickel-Mangan-Kobalt

Kathodenmaterial: Li(Ni,Mn,Co)O₂

NMC als technische Referenz

NMC: schematischer Schichtaufbau einer Lithium-Ionen-Zelle 01: Graphit-Anode. 02: Separator. 03: Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid-Kathode. 04: Elektrolyt zwischen und in den porösen Schichten. Der Pfeil zeigt den Weg der Lithiumionen beim Entladen. Explosionszeichnung, kein tatsächlicher Herstellerakku. 010203 Li⁺Li⁺ Lithiumionen beim Entladen → 04
NiMnCo

Metalloxid-Mischung
Das Verhältnis der Metalle variiert.

  1. 01
    Anode · negative Elektrode

    Hier vereinfacht als Graphit gezeigt.

  2. 02
    Separator · Trennschicht

    Trennt die Elektroden; lässt Ionen passieren.

  3. 03
    Kathode · positive Elektrode

    Hier unterscheiden sich LFP und NMC.

  4. 04
    Elektrolyt · Ionenleiter

    Benetzt die porösen Schichten und transportiert Ionen.

Vereinfachte Explosionszeichnung, nicht maßstäblich. Keine Abbildung eines BYD-, MAN-, SANY- oder Mercedes-Batteriepacks. Schichten zur Erklärung auseinandergezogen; Zellformat und Bauform können variieren. Beim Entladen wandern Lithiumionen zur Kathode, Elektronen fließen über den äußeren Stromkreis.

Was das im Lkw bedeutet

Material der Kathode

LFPEisen und Phosphat; kein Nickel oder Kobalt im Kathodenmaterial.

NMCNickel, Mangan und Kobalt; ihr Mischungsverhältnis variiert.

Energie pro Kilogramm

LFPTypischerweise geringer auf Zellebene.

NMCHöhere spezifische Energie auf Zellebene möglich.

Thermische Stabilität

LFPVorteil der Zellchemie bei thermischer Stabilität.

NMCThermische Absicherung besonders relevant. Kein Maß für das Brandrisiko des kompletten Lkw.

Kälte & Schnellladen

LFPTemperatur und Vorkonditionierung bestimmen die nutzbare Ladeleistung mit.

NMCAuch hier zählen Temperatur, Ladezustand und die tatsächliche Ladekurve.

Lebensdauer im Betrieb

LFPAus „LFP“ folgt keine konkrete Zyklenzahl oder Fahrzeuggarantie.

NMCAus „NMC“ folgt kein festes Lebensdauerdefizit. Einsatzprofil und Zellqualität zählen.

Für den Fahrzeugvergleich entscheidend

Packgewicht, Kühlung, Batteriemanagement und freigegebene Ladefenster mitprüfen. Aus der Zellchemie allein lässt sich kein Nutzlast-, Ladezeit- oder Haltbarkeitsgewinner ableiten.

Grafik: Redaktion eTrucks24 · Grundlagen: DOE: Funktionsprinzip, EPA: Zellbestandteile, IEA: Zellchemien, DOE: thermische Stabilität, NLR: Alterung · Stand 10.10.2026

Wenig Puffer ist nicht automatisch besser oder schlechter

SANY beschreibt rund 98 Prozent nutzbare Kapazität. Ein großer zugänglicher Anteil hilft zunächst bei der Energieplanung. Er verrät aber nicht, welche Zellspannungen das Batteriemanagement zulässt, wie stark die Zellen bei gleichem Einsatz altern oder welches Ladefenster für den täglichen Betrieb empfohlen wird. Beim Mercedes lässt sich aus dem anders formulierten Nutzungsanteil ebenso wenig ein Haltbarkeitsvorsprung ableiten.

Die Batteriemodellierung des NLR berücksichtigt unter anderem Temperatur, Lade- und Entladeraten sowie die Vorgeschichte des Ladezustands. Unsere Schlussfolgerung für beide Lkw: Fordern Sie Alterungsdaten für Ihr Schichtprofil an, nicht nur eine allgemeine Aussage über LFP.

Dual Gun ist kein einzelner Megawatt-Ladeanschluss

Bei SANY bezeichnet Dual Gun das Laden über zwei Stecker. Die beworbenen 700 kW sind nicht die Leistung eines einzelnen 400-kW-CCS-Anschlusses. Klären Sie, welche Kombination aus Säule, zwei Ausgängen, Kabeln und Fahrzeugsoftware dafür freigegeben ist und ob beide Ausgänge gleichzeitig die nötige Leistung liefern. Zwei benachbarte Ladeplätze sind noch keine bestätigte Dual-Gun-Lösung.

Mercedes beschreibt MCS auf seiner deutschen Modellseite weiterhin als Zukunftsfunktion; an anderer Stelle derselben Seite wird voraussichtlich Q3 2027 genannt. Zudem wechseln dort die genannten Prozentfenster zwischen 20–80 und 10–80 Prozent. Für eine heutige Ausschreibung rechnen wir daher mit dem schriftlich zugesagten CCS-Betrieb. Eine Prospekt-Ladezeit lässt sich weder ungeprüft auf MCS-Ausstattung noch auf ein anderes Ladefenster übertragen.

Blauer Mercedes-Benz eActros 600 schräg von hinten neben einer Ladeanlage auf der IAA 2024
Mercedes-Benz eActros 600 mit Ladeanlage auf der IAA 2024. Eine Messeaufnahme belegt weder eine bestimmte Ladeleistung noch eine gemessene Ladekurve.Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
LADEN IN DER PRAXIS

Der Anschluss ist erst der Anfang.

Der eActros 600 neben einer Ladeanlage macht die Schnittstelle sichtbar. Ob die geplante Pause reicht, entscheiden freigegebene Hardware, Akkutemperatur und der gesamte Ladeverlauf.

  • Feste Energiemenge statt nur Spitzenleistung vergleichen.
  • Ladekurve bei warmem und kaltem Akku verlangen.
  • Leistungsteilung an der tatsächlichen Station prüfen.

Garantie und Auslegungsziel auseinanderhalten

Daimler nennt als Haltbarkeitsziel bis zu 1,2 Millionen Kilometer in zehn Jahren mit anschließend mehr als 80 Prozent Batteriezustand. Die deutsche Produktseite nennt separat sechs Jahre Garantie. Das sind verschiedene Aussagen. Der Zehnjahreswert ist keine von uns belegte Zehnjahres-Kapazitätsgarantie.

Die hier verlinkten technischen SANY-Unterlagen enthalten keine vollständigen Garantiebedingungen. Daraus folgt nicht, dass das Fahrzeug keine Garantie hat. Für einen fairen Vergleich brauchen wir für beide Angebote dieselben Punkte: garantierter Mindest-SoH, Laufzeit, Kilometer- oder Energiegrenze, Messverfahren, Ausschlüsse und Abhilfe. Ein Werbeversprechen mit längerer Dauer kann für eine tägliche Tour weniger wert sein, wenn eine niedrige Restkapazität noch als vertragsgemäß gilt.

Alterungsreserve an einer konkreten Tour prüfen

Reines Planungsszenario, keine Alterungsprognose: Ein Betrieb mit 600 kWh nutzbarer Anfangsenergie plant zwischen 90 und 10 Prozent Ladezustand. Bei 1,2 kWh/km Verbrauch stehen 480 kWh beziehungsweise 400 km zur Verfügung. Bleiben später 80 Prozent der Anfangsenergie, ergibt dasselbe Fenster 384 kWh beziehungsweise 320 km. Bei 70 Prozent wären es 336 kWh beziehungsweise 280 km. Verbrauch und zugängliches Fenster sind hier bewusst konstant angenommen; reale Fahrzeuge können abweichen.

Eine Tour von 350 km hätte im ersten Fall Reserve und in den beiden gealterten Szenarien zusätzlichen Ladebedarf. Genau deshalb sollte der Beschaffungsvertrag zur später benötigten Energie passen. Das Beispiel sagt nicht voraus, wann einer der beiden Akkus einen bestimmten Zustand erreicht.

Frontalansicht eines weißen Mercedes-Benz eActros 600 von Contargo vor einem Logistikgebäude
Mercedes-Benz eActros 600 von Contargo, Frankfurt am Main, Dezember 2024. Frontansicht eines Flottenfahrzeugs mit ProCabin.Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
VOM MODELL ZUM EINSATZ

Entscheidend ist die wiederholbare Tour.

Ein Flottenfahrzeug mit ProCabin in Frankfurt: Am Ende muss die angebotene Konfiguration zur täglichen Arbeit passen. Ein Foto belegt weder gemessenen Verbrauch noch die Restkapazität des Akkus.

  • Eigene Strecke mit realer Beladung erproben.
  • Reserve für Winter und Nebenverbraucher planen.
  • Benötigte Energie auch zum Ende der Haltedauer prüfen.

Unsere Einordnung

SANY liefert mit seiner ausdrücklich genannten Nettoenergie einen brauchbaren Ausgangspunkt. Mercedes erläutert sein Haltbarkeitsziel, das aber nicht mit einer Vertragszusage verwechselt werden darf. Die ähnliche installierte Kapazität macht Thermomanagement, reale Ladekurve, Fahrzeugverbrauch und Reparaturablauf entscheidend. Für beide fehlt hier ein gemeinsamer Langzeittest. Weitere Unterschiede zeigt der Vergleich mit MANs NMC-Konzept.