LADEN · SCHNITTSTELLEN

MCS, CCS und Dual Gun: Elektro-Lkw richtig schnell laden

Ein Megawatt auf dem Datenblatt ist noch kein kurzer Aufenthalt am Ladepunkt. Anschluss, gleichzeitig verfügbare Leistung und der gesamte Ladeverlauf müssen zum Fahrzeug und zur Pause passen.

MCS-Ladestecker und zugehörige Fahrzeugbuchse von Stäubli in einer Nahaufnahme
MCS-Stecker und Fahrzeugbuchse von Stäubli. Technikfoto zum Ladestandard; kein Fahrzeugfoto und kein Nachweis eines bestimmten Lkw-Anschlusses.Foto: SRago91 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
MAN eTGX 20.544 neben einer ABB-Ladesäule auf der IAA Transportation 2024
MAN eTGX 20.544 4×2 mit Ladeanlage auf der IAA Transportation 2024. Messefahrzeug; Ausstattung separat prüfen.Foto: MarcelX42 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Drei Begriffe, drei unterschiedliche Fragen

CCS2 und MCS beschreiben Ladeschnittstellen. Dual Gun bezeichnet hier den vom Fahrzeughersteller vorgesehenen gleichzeitigen Betrieb mit zwei Ladeverbindungen. Das ist kein Synonym für MCS und keine automatische Eigenschaft jeder Zugmaschine mit zwei Buchsen. Fahrzeug und Ladeanlage müssen den jeweiligen Betrieb gemeinsam unterstützen.

CharIN beschreibt MCS als System für hohe Ladeleistungen bei schweren Fahrzeugen und die dazugehörigen Arbeiten an der Interoperabilität. Daraus folgt nicht, dass jeder MCS-Lkw denselben Leistungswert erreicht. Für die Auswahl sind die freigegebene Fahrzeugkonfiguration und die tatsächlich verfügbare Anlage maßgeblich.

ANSCHLÜSSE VERSTEHEN

Ein Kabel, zwei Kabel oder MCS?

Konzeptzeichnung
CCS2

Eine Ladeverbindung

CCS2: eine Verbindung zum FahrzeugLadeanlageFahrzeug

Entscheidend ist die freigegebene Kombination aus Fahrzeug, Kabel und Ladepunkt.

Dual Gun

Zwei Verbindungen

Zwei freigegebene CCS-Verbindungen zum selben FahrzeugLadeanlageFahrzeug

Beide Verbindungen müssen gleichzeitig unterstützt werden. Leistungsteilung prüfen.

MCS

Eigene Schnittstelle

MCS: eine Verbindung zum FahrzeugLadeanlageFahrzeug

Ein MCS-Anschluss bedeutet nicht automatisch dieselbe Ladeleistung bei jedem Lkw.

Schematische Darstellung der Ladeverbindungen, keine Steckergeometrie oder technische Installationszeichnung. Bei Dual Gun können die Verbindungen von einer oder mehreren geeigneten Leistungseinheiten kommen. Anzahl und Lage der Fahrzeugbuchsen sind nicht nachgebildet.

Vor der Beschaffung vorführen lassen

Fahrzeug und geplante Station gemeinsam testen: Start des Vorgangs, gleichzeitige Leistung, Kabelführung und nachgeladene Energie im verfügbaren Zeitfenster.

Grafik: Redaktion eTrucks24 · CharIN: MCS · SANY: Dual Gun · Stand 10.10.2026

Was aktuelle Fahrzeugangaben tatsächlich zeigen

Tabelle seitlich scrollen →

Herstellerangaben der benannten Ausführungen · kein Ladetest
FahrzeugCCS2 einzelnWeitere Angabe
BYD ETT 44, 651 kWhBis zu 450 kWMCS bis 1.500 kW
SANY e263 SBis zu 400 kWDual Gun bis 700 kW
Volvo FH Aero Electric, erweiterte ReichweiteBis zu 350 kWMCS bis 700 kW

Die Werte stammen von BYD, SANY und Volvo. Sie belegen schon innerhalb derselben Schnittstelle unterschiedliche Fahrzeuggrenzen. Verfügbarkeit, Softwarestand und konkrete Ausstattung sind im Angebot zu bestätigen.

Der Durchschnitt lädt die Batterie

Energie ergibt sich aus Leistung über Zeit. Wer 300 kWh in 45 Minuten nachladen möchte, benötigt im Mittel 400 kW auf der betrachteten Messseite. Eine Spitzenleistung von 600 kW kann dazu passen, muss es aber nicht. Fällt die Leistung früh ab oder beginnt der Vorgang verspätet, verändert sich das Ergebnis.

LEISTUNG × ZEIT = ENERGIE

600 kW Spitze. 400 kW im Mittel.

Frei gewähltes Rechenbeispiel

15 Minuten mit 600 kW, danach 30 Minuten mit 300 kW: Beide Abschnitte liefern rechnerisch je 150 kWh. Zusammen sind es 300 kWh in 45 Minuten.

Grafik seitlich scrollen →

Schematischer Ladeverlauf: 300 kWh in 45 MinutenDie Leistung beträgt in den ersten 15 Minuten 600 kW und danach für 30 Minuten 300 kW. Eine gestrichelte Linie zeigt den Mittelwert von 400 kW. Keine Messkurve eines Fahrzeugs.kW60030000153045Minuten150 kWh150 kWh400 kW Durchschnitt
Spitzenleistung600 kW
Durchschnitt400 kW
Energie in 45 Minuten300 kWh

Keine Fahrzeugmessung. Vereinfachter Stufenverlauf mit frei gewählten Werten, ohne Ladeverluste und Nebenverbraucher. Alle Leistungen und Energiemengen beziehen sich auf dieselbe gedachte Messseite. Die reale Kurve muss vom Fahrzeug und Ladepunkt erhoben werden.

Die Grafik verwendet absichtlich einen einfachen, frei gewählten Verlauf. Reale Ladekurven hängen unter anderem von Startladezustand, Temperatur und Fahrzeugfreigabe ab. Netzbezug, Energie am Ladeausgang und in der Batterie gespeicherte Energie sind zudem verschiedene Messgrößen. Ladeverluste und Nebenverbraucher dürfen beim Vergleich nicht verschwinden.

Blauer Mercedes-Benz eActros 600 schräg von hinten neben einer Ladeanlage auf der IAA 2024
Mercedes-Benz eActros 600 mit Ladeanlage auf der IAA 2024. Eine Messeaufnahme belegt weder eine bestimmte Ladeleistung noch eine gemessene Ladekurve.Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
LADEN IN DER PRAXIS

Der Anschluss ist erst der Anfang.

Der eActros 600 neben einer Ladeanlage macht die Schnittstelle sichtbar. Ob die geplante Pause reicht, entscheiden freigegebene Hardware, Akkutemperatur und der gesamte Ladeverlauf.

  • Feste Energiemenge statt nur Spitzenleistung vergleichen.
  • Ladekurve bei warmem und kaltem Akku verlangen.
  • Leistungsteilung an der tatsächlichen Station prüfen.

Zwei Kabel garantieren keine doppelte Leistung

Bei Dual Gun müssen beide Ladeverbindungen für das Fahrzeug zugelassen sein und gleichzeitig Leistung liefern können. Teilen zwei Ausgänge eine gemeinsame begrenzte Leistungseinheit, reicht das bloße Addieren ihrer Typenschildwerte nicht. Klären Sie mit beiden Anbietern, welche Kombination und welcher Betriebsmodus freigegeben sind.

Beim Vor-Ort-Test gehören Startreihenfolge, Kabelführung, Stellplatzbelegung und das Verhalten bei einer unterbrochenen Verbindung ins Protokoll. Das ist besonders relevant, wenn die zweite Verbindung einen weiteren Stellplatz beansprucht. Übernehmen Sie eine funktionierende Messekonfiguration nicht ungeprüft in den Depotplan.

Vom Ladefenster zur benötigten Anlage

Beginnen Sie mit der Energie, die vor der nächsten Abfahrt fehlen würde. Für angenommene 300 kWh in sechs Stunden genügen rechnerisch 50 kW mittlere Leistung auf der gewählten Messseite. Für dieselbe Energie in 45 Minuten sind es 400 kW. Beide Zahlen lassen Verluste und betriebliche Reserven zunächst außen vor; sie erklären den Unterschied zwischen langer Depotstandzeit und kurzer Zwischenladung.

Die Nationale Leitstelle empfiehlt, Ladeinfrastruktur aus dem Einsatz- und Standzeitprofil heraus zu planen. Netzanschluss, Lastmanagement und Wachstum der Flotte gehören dabei zusammen. Eine MCS-Anlage löst keinen Engpass, wenn der Anschluss die benötigte Gleichzeitigkeit nicht hergibt. Vertiefung: Depotladen planen und Ladekosten berechnen.

So lässt sich ein Ladetermin fair vergleichen

  1. Gleiche Startbedingungen und eine feste nachzuladende Energiemenge vereinbaren.
  2. Fahrzeug, Akku- und Umgebungstemperatur sowie Anfangs-SoC festhalten.
  3. Messseite benennen und Energie nach 15, 30 und 45 Minuten dokumentieren.
  4. Zeit für Zufahrt, Anschluss, Anmeldung und Abfahrt zusätzlich erfassen.
  5. Leistungsteilung und einen betrieblichen Ausweichplan klären.

Der passende Anschluss folgt aus Ihrem Betrieb. Für eine lange Standzeit kann verlässliches CCS ausreichen; eine knappe Pause kann höhere Leistung erfordern. Die Entscheidung braucht einen bestätigten Ablauf an einer konkreten Station. Wie das zwei Anbieter unterschiedlich lösen, zeigt BYD ETT 44 gegen SANY e263 S.