VERGLEICH · DAF & MERCEDES

DAF XF Electric vs. eActros 600: zwei LFP-Lkw, unterschiedliche Reserven

Beide verwenden LFP-Zellen. Trotzdem unterscheiden sich verfügbare Energie, Antriebsaufbau und Ladeausstattung deutlich. Welche Unterschiede sind auf Ihrer Tour tatsächlich relevant?

Weiße DAF XF Electric Sattelzugmaschine mit blauem Electric-Schriftzug auf der Nufam 2025
DAF XF Electric als Sattelzugmaschine auf der Nufam 2025 in Rheinstetten, 27. September 2025. Messeausführung; die konkrete Batterie- und Ladeausstattung ist am Foto nicht nachgewiesen.Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Mercedes-Benz eActros 600 als Sattelzugmaschine vor einem Logistikgebäude
Mercedes-Benz eActros 600 in Frankfurt-Ostend, Dezember 2024.Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Verglichen werden der DAF XF Electric als 4×2 mit fünf Batteriepaketen und der Mercedes-Benz eActros 600 mit drei Paketen und ProCabin.

Die großen Batterievarianten nebeneinander

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Betrachtete Varianten · Quellenprüfung 11.10.2026
KriteriumDAF XF ElectricMercedes eActros 600
BatterieFünf LFP-Pakete; 525 kWh installiertDrei LFP-Pakete; 621 kWh Nennkapazität
Verfügbare Energie462 kWh laut DAF-DatenblattMehr als 95 % laut Daimler; exakter Nettowert in dieser Quelle offen
AntriebPACCAR EX-D2, Zentralantrieb mit integriertem Dreiganggetriebe; Leistungsvarianten bis 350 kWElektrische Antriebsachse; 400 kW Dauerleistung und 600 kW Spitzenleistung
LadenJe nach Ausstattung 150 oder 325 kW DC; 22 kW AC als OptionCCS bis 400 kW; MCS laut aktueller Mitteilung ab zweitem Halbjahr 2027
ReichweitenkommunikationDAF nennt für die Baureihe über 500 km unter passenden BedingungenDaimler nennt für die effizienteste Konfiguration bei 40 t bis 560 km; die Produktseite nennt weiterhin 500 km

Die Leistungsbegriffe sind nicht deckungsgleich: DAFs Leistungsstufe darf nicht ungeprüft gegen Mercedes' kurzzeitige Spitze gewertet werden. Auch die Kilometerangaben stammen nicht aus einem identischen Test. Ein Reichweitensieger lässt sich daraus nicht ableiten.

KAPAZITÄT RICHTIG LESEN

Wie viel Energie ist wirklich nutzbar?

Gleicher Maßstab · 0–700 kWh

Die Länge zeigt die angegebene Kapazität. Die Füllung zeigt eine bezifferte Nutzenergie. Offene oder nur eingegrenzte Angaben sind separat markiert.

DAF XF Electric · fünf PaketeLFP · 525 kWh installiert
462 kWh nutzbar

462 kWh verfügbar laut DAF-Datenblatt. 63 kWh Differenz sind keine gemessenen Ladeverluste. Herstellerquelle ↗

Mercedes-Benz eActros 600LFP · 621 kWh Nennkapazität
Mehr als 95 % nutzbar

Mehr als 95 % nutzbar laut Daimler Truck. Exakter Nettowert offen; die Markierung zeigt nur die 95-%-Grenze. Herstellerquelle ↗

Angegebene bzw. abgeleitete Nutzenergie Differenz zur installierten Energie Keine exakte Nettoangabe

Herstellerangaben zur benannten Variante, Stand 11.10.2026. Kein Reichweitenvergleich: Verbrauch, tägliches Ladefenster, Ankunftsreserve und Alterung kommen bei der Tourenplanung hinzu.

Was 525 und 621 kWh noch nicht sagen

DAF trennt im Datenblatt ausdrücklich installierte und verfügbare Energie. Für fünf Pakete bleiben 462 kWh; die Differenz zu 525 kWh beträgt rechnerisch 63 kWh. Diese Differenz ist keine beim Laden verlorene Energie. Sie beschreibt den Unterschied der Kapazitätsbegriffe.

Mercedes veröffentlicht eine andere Aussage: mehr als 95 Prozent der Nennkapazität sind nutzbar. Deshalb markieren wir in der Grafik eine Grenze und zeichnen keinen erfundenen exakten Nettobalken. Das täglich gewählte Ladefenster und eine Ankunftsreserve kommen bei beiden Fahrzeugen erst danach hinzu. Die Herstellerübersicht der Batteriesysteme zeigt diese Unterschiede im größeren Zusammenhang.

VON DER ZELLE ZUM PACK

Gleiche Materialfamilie, eigene Batteriesysteme.

Schematische Zeichnung

Die Schichten sind zur Erklärung auseinandergezogen. Beide Zeichnungen sind freie Funktionsschemata, keine Herstellerquerschnitte und nicht maßstäblich.

LFP

DAF XF Electric

LFP: schematischer ZellaufbauEins: vereinfachte Anode. Zwei: Separator. Drei: Kathode, LFP. Die Pfeile zeigen den Ionentransport beim Entladen. Keine Herstellerzeichnung. 123 Li⁺Li⁺

Eisen + Phosphat
LiFePO₄

LFP

Mercedes eActros 600

LFP: schematischer ZellaufbauEins: vereinfachte Anode. Zwei: Separator. Drei: Kathode, LFP. Die Pfeile zeigen den Ionentransport beim Entladen. Keine Herstellerzeichnung. 123 Li⁺Li⁺

Eisen + Phosphat
LiFePO₄

  1. 1 · Anode

    Vereinfacht als Graphit gezeigt. Keine Aussage über die genaue Anodenmischung des Fahrzeugs.

  2. 2 · Separator

    Trennt die Elektroden; Ionen können den ionenleitenden Elektrolyten durchqueren.

  3. 3 · Kathode

    Beim Entladen wandern Lithiumionen zur positiven Elektrode. Elektronen fließen außen durch den Verbraucher.

Gleiche Chemie bedeutet weder gleiche Packmasse noch gleiche Ladeleistung, Kühlung oder Garantie. Grafik: Redaktion eTrucks24 · Grundlagen: DOE; Modellzuordnung: Herstellerquellen am Artikelende.

Gleiche Chemie ersetzt keine Auslegung

Die LFP-Kathode enthält Eisen und Phosphat. Daraus folgt weder ein gleiches Packgewicht noch dieselbe Kühlung oder Lebensdauer. Fragen Sie nach der bestellten Paketanzahl, dem freigegebenen Nutzfenster und der messbaren Restenergie. Wer häufig kurz nachlädt, braucht zusätzlich eine Ladekurve für seine Temperatur- und Ladebedingungen.

DAF XF Electric von hinten mit Sattelkupplung und sichtbarem Fahrgestell auf der Nufam 2025
DAF XF Electric, Heck- und Fahrgestellansicht auf der Nufam 2025.Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
DAF XF ELECTRIC · FAHRGESTELL

Der Speicher muss zum Transportauftrag passen.

Die reale Heckansicht zeigt die Einbausituation rund um Rahmen und Sattelkupplung. Paketanzahl, Nutzenergie und Leergewicht müssen zusätzlich aus dem Angebot hervorgehen.

  • Die bestellte Batterievariante benennen.
  • Achslasten mit eigenem Auflieger prüfen.
  • Zugänglichkeit und Reparaturumfang klären.
ANTRIEB & EINBAURAUM

Wo der Antrieb sitzt, verändert den verfügbaren Bauraum.

Schematische Zeichnung

DAF XF Electric

Schematische Draufsicht: 4×2 mit Zentralantrieb 12

4×2 · Zentralantrieb mit Getriebe

Mercedes eActros 600

Schematische Draufsicht: 4×2 mit E-Achse 12

4×2 · Elektrische Antriebsachse

  1. 1 · Batteriesystem

    Grüne Flächen sind Symbole. Sie zeigen weder Paketanzahl noch tatsächliche Form, Lage oder Kapazität.

  2. 2 · Antrieb

    Braun kennzeichnet das Antriebsprinzip. Die Darstellung vereinfacht Motoren, Getriebe und Kraftübertragung.

Freie, nicht maßstäbliche Draufsichten der betrachteten Achskonzepte. Kein Einbauplan und keine Herstellerzeichnung. Nutzlast, Radstand und Werkstattzugang bleiben separat zu prüfen.

Die Ladeoption steht im Auftrag

Beim DAF sind 150 und 325 kW unterschiedliche DC-Ausstattungen. Ein Fahrzeug mit der kleineren Option wird durch eine leistungsfähigere Säule nicht automatisch zum 325-kW-Lkw. Das optionale AC-Laden kann bei langen Standzeiten interessant sein; seine Eignung muss gegen den tatsächlichen Energiebedarf gerechnet werden.

Beim Mercedes ist das angekündigte MCS-Angebot vom heute angebotenen CCS-Laden zu unterscheiden. Eine Demonstration oder Vorserienerprobung ersetzt keine bestätigte Lieferung. Vergleichen Sie zusätzlich gespeicherte Energie im selben Zeitfenster, einschließlich Anschluss, Rangieren und möglicher Leistungsteilung am Standort.

Blauer Mercedes-Benz eActros 600 schräg von hinten neben einer Ladeanlage auf der IAA 2024
Mercedes-Benz eActros 600 mit Ladeanlage auf der IAA 2024. Eine Messeaufnahme belegt weder eine bestimmte Ladeleistung noch eine gemessene Ladekurve.Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
LADEN IN DER PRAXIS

Der Anschluss ist erst der Anfang.

Der eActros 600 neben einer Ladeanlage macht die Schnittstelle sichtbar. Ob die geplante Pause reicht, entscheiden freigegebene Hardware, Akkutemperatur und der gesamte Ladeverlauf.

  • Feste Energiemenge statt nur Spitzenleistung vergleichen.
  • Ladekurve bei warmem und kaltem Akku verlangen.
  • Leistungsteilung an der tatsächlichen Station prüfen.

Garantie und Entwicklungsziel sauber trennen

Das DAF-Datenblatt nennt acht Jahre beziehungsweise 4 MWh Energiedurchsatz je kWh Batteriekapazität und 70 Prozent SoH. Das ist eine veröffentlichte Garantie-Eckangabe, kein vollständiger Vertrag. Welche Grenze zuerst greift, welche SoH-Methode gilt und welche Abhilfe zugesagt wird, muss das Angebot erklären. Die vom Hersteller genannte Umrechnung in 4.000 Zyklen bedeutet nicht 4.000 beliebige Ladesteckerbesuche.

Mercedes' Entwicklungsziel von 1,2 Millionen Kilometern in zehn Betriebsjahren ist dagegen keine pauschale individuelle Batteriegarantie. Laufzeit, Energiemenge, Restkapazität und Reparaturzusage gehören je Fahrzeug getrennt in den Angebotsvergleich.

Für wen sich welcher Vergleich lohnt

  • Feste Tagestour mit langer Depotzeit: Beim DAF die kleinere Batterie- und Ladeausstattung mitprüfen, statt automatisch das größte Paket zu bestellen.
  • Lange Abschnitte ohne gesicherte Ladung: Die höhere verfügbare Energie des betrachteten Mercedes kann relevant sein; Verbrauch und Nutzlast müssen auf derselben Tour gemessen werden.
  • Mehrschichtbetrieb: Beide mit identischer Zwischenladeaufgabe testen. Unverbindliche Spitzenwerte sind kein Ersatz für verlässliche Abfahrtszeiten.

Für die tägliche Arbeit ergänzt der Vergleich von Kabinen und Ausstattung die Technik. Angebote lassen sich anschließend im Kostenrechner mit eigenen Preisen und Verbrauchswerten einordnen.