VERGLEICH · MERCEDES & MAN

Mercedes eActros 600 vs. neuer MAN eTGX: LFP, NMC und MCS im Vergleich

Mercedes setzt auf ein großes LFP-Paket, MAN auf die neue NMC-Generation. Für den Fuhrpark zählen die tatsächlich nutzbare Energie, der Lieferstand und die Ladung im eigenen Zeitfenster.

Mercedes-Benz eActros 600 als Sattelzugmaschine vor einem Logistikgebäude
Mercedes-Benz eActros 600 in Frankfurt-Ostend, Dezember 2024.Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Blaue MAN eTGX 20.600 Sattelzugmaschine auf dem MAN-Messestand der IAA 2026
Neue Generation: MAN eTGX 20.600 auf der IAA Transportation 2026. Separat von der bisherigen eTGX-Version mit 480 kWh nutzbarer Energie einzuordnen.Foto: MarcelX42 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Verglichen werden 4×2-Sattelzugmaschinen: eActros 600 mit drei Paketen und der zur IAA 2026 vorgestellte MAN eTGX mit sechs neuen Paketen. Herstellerangaben, kein gemeinsamer Fahrtest. Den bisherigen eTGX mit 480 kWh nutzbarer Energie behandeln wir getrennt.

Die richtige Generation macht einen Unterschied

Tabelle seitlich scrollen →

Ausgewählte 4×2-Versionen · Stand 10.10.2026
KriteriumMercedes eActros 600MAN eTGX · neu 2026
ZellchemieLFPNMC
Nenn-/Bruttokapazität621 kWh552 kWh
Nutzbare EnergieMehr als 95 %; exakter Nettowert offenRechnerisch rund 528 kWh aus 6 × 88 kWh
MCS-SpitzeBis 1.000 kW angekündigtBis 750 kW
MCS-LieferstandZweites Halbjahr 2027 angekündigtLaut MAN seit Juli 2026 als Serienoption

Die MAN-Premierenmeldung nennt gerundete Einzelpaketwerte. Unsere Summe ist deshalb keine exakt vermessene Nettoenergie des Gesamtfahrzeugs. Beim Mercedes machen wir aus „mehr als 95 Prozent“ ebenfalls keinen erfundenen präzisen Nettowert. Beide Angebote sollten die nutzbare Energie der bestellten Konfiguration bestätigen.

KAPAZITÄT RICHTIG LESEN

Wie viel Energie ist wirklich nutzbar?

Gleicher Maßstab · 0–700 kWh

Die Länge zeigt die angegebene Kapazität. Die Füllung zeigt eine bezifferte Nutzenergie. Offene oder nur eingegrenzte Angaben sind separat markiert.

Mercedes-Benz eActros 600LFP · 621 kWh Nennkapazität
Mehr als 95 % nutzbar

Mehr als 95 % nutzbar laut Daimler Truck. Exakter Nettowert offen; die Markierung zeigt nur die 95-%-Grenze. Herstellerquelle ↗

MAN eTGX · neue 6-Paket-Version 2026NMC · 552 kWh brutto
Rechnerisch rund 528 kWh nutzbar

Sechs Pakete × 88 kWh nutzbar laut gerundeter Einzelangabe. Kein exakt vermessener Gesamt-Nettowert. Nutzenergie des Angebots bestätigen. Herstellerquelle ↗

Angegebene bzw. abgeleitete Nutzenergie Differenz zur installierten Energie Keine exakte Nettoangabe

Herstellerangaben zur benannten Variante, Stand 10.10.2026. Kein Reichweitenvergleich: Verbrauch, tägliches Ladefenster, Ankunftsreserve und Alterung kommen bei der Tourenplanung hinzu.

Mehr Energie ist ein Vorteil – aber noch kein Reichweitensieg

Mercedes dokumentiert hier den größeren Energiespeicher. Welche Strecke daraus entsteht, hängt zusätzlich vom Verbrauch ab. Ein Vergleich braucht denselben Auflieger, dieselbe Beladung, Strecke und Geschwindigkeit sowie ein abgestimmtes Start- und Ankunftsfenster. Unterschiedliche Herstellerreichweiten erfüllen diese Bedingung nicht.

Gerade bei einem planbaren Depotumlauf kann der kleinere Akku genügen. Dann gehören Gewicht, Beschaffungspreis und Ladebedarf in die Entscheidung. Bei einer längeren Strecke kann zusätzliche Energie dagegen einen Zwischenstopp vermeiden. Für diese Abwägung rechnen wir zuerst den eigenen Auftrag durch, statt einer kWh-Zahl automatisch den Gesamtsieg zu geben.

AKKUTECHNIK VERSTEHEN

LFP und NMC: Der Unterschied steckt in der Kathode.

Schematische Zeichnung

Beide gehören zur Familie der Lithium-Ionen-Akkus. Anode, Separator und Elektrolyt erfüllen dieselben Aufgaben. Das namensgebende Material der positiven Elektrode ist verschieden.

LFP

Lithium-Eisenphosphat

Kathodenmaterial: LiFePO₄

Mercedes-Benz eActros 600

LFP: schematischer Schichtaufbau einer Lithium-Ionen-Zelle 01: Graphit-Anode. 02: Separator. 03: Lithium-Eisenphosphat-Kathode. 04: Elektrolyt zwischen und in den porösen Schichten. Der Pfeil zeigt den Weg der Lithiumionen beim Entladen. Explosionszeichnung, kein tatsächlicher Herstellerakku. 010203 Li⁺Li⁺ Lithiumionen beim Entladen → 04
FePO

Eisen + Phosphat
Kein Nickel oder Kobalt in der Kathode.

NMC

Nickel-Mangan-Kobalt

Kathodenmaterial: Li(Ni,Mn,Co)O₂

MAN eTGX · neue Generation 2026

NMC: schematischer Schichtaufbau einer Lithium-Ionen-Zelle 01: Graphit-Anode. 02: Separator. 03: Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid-Kathode. 04: Elektrolyt zwischen und in den porösen Schichten. Der Pfeil zeigt den Weg der Lithiumionen beim Entladen. Explosionszeichnung, kein tatsächlicher Herstellerakku. 010203 Li⁺Li⁺ Lithiumionen beim Entladen → 04
NiMnCo

Metalloxid-Mischung
Das Verhältnis der Metalle variiert.

  1. 01
    Anode · negative Elektrode

    Hier vereinfacht als Graphit gezeigt.

  2. 02
    Separator · Trennschicht

    Trennt die Elektroden; lässt Ionen passieren.

  3. 03
    Kathode · positive Elektrode

    Hier unterscheiden sich LFP und NMC.

  4. 04
    Elektrolyt · Ionenleiter

    Benetzt die porösen Schichten und transportiert Ionen.

Vereinfachte Explosionszeichnung, nicht maßstäblich. Keine Abbildung eines BYD-, MAN-, SANY- oder Mercedes-Batteriepacks. Schichten zur Erklärung auseinandergezogen; Zellformat und Bauform können variieren. Beim Entladen wandern Lithiumionen zur Kathode, Elektronen fließen über den äußeren Stromkreis.

Was das im Lkw bedeutet

Material der Kathode

LFPEisen und Phosphat; kein Nickel oder Kobalt im Kathodenmaterial.

NMCNickel, Mangan und Kobalt; ihr Mischungsverhältnis variiert.

Energie pro Kilogramm

LFPTypischerweise geringer auf Zellebene.

NMCHöhere spezifische Energie auf Zellebene möglich.

Thermische Stabilität

LFPVorteil der Zellchemie bei thermischer Stabilität.

NMCThermische Absicherung besonders relevant. Kein Maß für das Brandrisiko des kompletten Lkw.

Kälte & Schnellladen

LFPTemperatur und Vorkonditionierung bestimmen die nutzbare Ladeleistung mit.

NMCAuch hier zählen Temperatur, Ladezustand und die tatsächliche Ladekurve.

Lebensdauer im Betrieb

LFPAus „LFP“ folgt keine konkrete Zyklenzahl oder Fahrzeuggarantie.

NMCAus „NMC“ folgt kein festes Lebensdauerdefizit. Einsatzprofil und Zellqualität zählen.

Für den Fahrzeugvergleich entscheidend

Packgewicht, Kühlung, Batteriemanagement und freigegebene Ladefenster mitprüfen. Aus der Zellchemie allein lässt sich kein Nutzlast-, Ladezeit- oder Haltbarkeitsgewinner ableiten.

Grafik: Redaktion eTrucks24 · Grundlagen: DOE: Funktionsprinzip, EPA: Zellbestandteile, IEA: Zellchemien, DOE: thermische Stabilität, NLR: Alterung · Stand 10.10.2026

LFP und NMC: Packgewicht und Kälte konkret prüfen

Die Zellchemien unterscheiden sich bei Materialien, spezifischer Energie und thermischer Stabilität. Das erklären unsere Zeichnungen und der Grundlagenvergleich. Die Eigenschaften einer Zelle dürfen aber nicht mit dem Leergewicht oder dem Brandrisiko des kompletten Lkw gleichgesetzt werden. Gehäuse, Kühlung, Schutzsysteme und Einbau zählen mit.

Für eine gewichtskritische Tour verlangen wir die tatsächliche Fahrzeugmasse mit allen bestellten Extras. Für den Winter verlangen wir einen Ablauf mit kalter Standzeit, Vorkonditionierung und anschließender Ladung. Die entscheidenden Ergebnisse sind verfügbare Energie zur Abfahrt und wiederholbare Ladezeit. Aus LFP oder NMC allein lässt sich kein Ergebnis dieser Fahrzeugprüfung vorhersagen.

Seitliche Nahansicht des blauen MAN eTGX 20.600 mit sichtbarer Modellbezeichnung auf der IAA 2026
MAN eTGX 20.600 auf der IAA 2026: Seitenansicht des Fahrerhauses der neu vorgestellten Generation. Messefoto; keine Darstellung des Batterieinneren.Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
MODELLSTAND · IAA 2026

Die Modellbezeichnung reicht allein nicht.

Die Seitenansicht zeigt den neuen eTGX 20.600 am Messestand. Paketanzahl, Nutzenergie und bestellte Ladeausstattung gehören zusätzlich ins Angebot. Das Foto belegt keine bestimmte Batteriebestückung.

  • Sechs-Paket-4×2 und Sieben-Paket-6×2 getrennt halten.
  • Liefertermin der konkreten Konfiguration bestätigen.
  • Leergewicht einschließlich aller Extras anfordern.
MAN · SECHS PAKETE IM VERGLEICH

Ähnlicher Name. Andere Batterie.

Generation eindeutig benennen
BISHERIGE GENERATION

534 kWh installiert / brutto

480 kWh nutzbar

Nutzbare Energie laut Hersteller. Dieser Wert gehört zur bisherigen Sechs-Paket-Version.

Datenquelle ↗
NEU · IAA 2026

552 kWh installiert / brutto

Rund 528 kWh nutzbar

Sechs Pakete × 88 kWh. Rechnerische Summe gerundeter Herstellerwerte; genaue Zusage anfordern.

Datenquelle ↗

Die neue 6×2-Version mit sieben Paketen und 644 kWh brutto ist ein weiteres Fahrzeugkonzept. Sie wird hier nicht zur Sechs-Paket-Zugmaschine hinzugerechnet.

MCS: ein angekündigter Anschluss löst die heutige Tour noch nicht

Daimler Truck nennt am 5. Oktober 2026 das zweite Halbjahr 2027 für MCS. Wer vorher auf diesen Anschluss angewiesen ist, braucht eine andere belastbar verfügbare Lösung. Beim MAN muss die optionale Ausstattung ebenfalls Bestandteil des konkreten Angebots und Liefertermins sein.

Für beide Fahrzeuge ist die Spitzenleistung nur eine Obergrenze. Lassen Sie eine feste Energiemenge am vorgesehenen Standort nachladen und messen Sie den gesamten Aufenthalt. Eine Rechnung „Energie geteilt durch Maximalleistung“ unterschätzt die Zeit, wenn der Akku diese Leistung nur kurz annimmt oder die Station sie teilt. Dazu passt der Ratgeber zu Ladeanschlüssen und Ladekurven.

Blauer Mercedes-Benz eActros 600 schräg von hinten neben einer Ladeanlage auf der IAA 2024
Mercedes-Benz eActros 600 mit Ladeanlage auf der IAA 2024. Eine Messeaufnahme belegt weder eine bestimmte Ladeleistung noch eine gemessene Ladekurve.Foto: Matti Blume / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
LADEN IN DER PRAXIS

Der Anschluss ist erst der Anfang.

Der eActros 600 neben einer Ladeanlage macht die Schnittstelle sichtbar. Ob die geplante Pause reicht, entscheiden freigegebene Hardware, Akkutemperatur und der gesamte Ladeverlauf.

  • Feste Energiemenge statt nur Spitzenleistung vergleichen.
  • Ladekurve bei warmem und kaltem Akku verlangen.
  • Leistungsteilung an der tatsächlichen Station prüfen.

Was vor einer Bestellung auf dem Tisch liegen sollte

  • Modelljahr, Paketanzahl, bestätigte Nutzenergie und tägliches Ladefenster.
  • Leergewicht und Achslasten mit vergleichbarer Ausstattung.
  • Ladeprotokoll sowie verbindlicher Lieferstand der benötigten Schnittstelle.
  • Kapazitätsgarantie mit Messverfahren, Mindestwert und vereinbarter Abhilfe.

Unser Urteil: Mercedes bringt in diesem Paar den größeren dokumentierten Energievorrat mit; MAN nennt den früheren MCS-Serienstand. Welcher Vorteil die eigene Tour verbessert, muss der Einsatzversuch zeigen. Ergänzend vergleichen wir BYD mit der bisherigen MAN-Generation und Mercedes mit Volvos großer Batterieversion.