Mercedes eActros 600 vs. neuer MAN eTGX: LFP, NMC und MCS im Vergleich
Mercedes setzt auf ein großes LFP-Paket, MAN auf die neue NMC-Generation. Für den Fuhrpark zählen die tatsächlich nutzbare Energie, der Lieferstand und die Ladung im eigenen Zeitfenster.


Verglichen werden 4×2-Sattelzugmaschinen: eActros 600 mit drei Paketen und der zur IAA 2026 vorgestellte MAN eTGX mit sechs neuen Paketen. Herstellerangaben, kein gemeinsamer Fahrtest. Den bisherigen eTGX mit 480 kWh nutzbarer Energie behandeln wir getrennt.
Die richtige Generation macht einen Unterschied
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| Kriterium | Mercedes eActros 600 | MAN eTGX · neu 2026 |
|---|---|---|
| Zellchemie | LFP | NMC |
| Nenn-/Bruttokapazität | 621 kWh | 552 kWh |
| Nutzbare Energie | Mehr als 95 %; exakter Nettowert offen | Rechnerisch rund 528 kWh aus 6 × 88 kWh |
| MCS-Spitze | Bis 1.000 kW angekündigt | Bis 750 kW |
| MCS-Lieferstand | Zweites Halbjahr 2027 angekündigt | Laut MAN seit Juli 2026 als Serienoption |
Die MAN-Premierenmeldung nennt gerundete Einzelpaketwerte. Unsere Summe ist deshalb keine exakt vermessene Nettoenergie des Gesamtfahrzeugs. Beim Mercedes machen wir aus „mehr als 95 Prozent“ ebenfalls keinen erfundenen präzisen Nettowert. Beide Angebote sollten die nutzbare Energie der bestellten Konfiguration bestätigen.
Wie viel Energie ist wirklich nutzbar?
Die Länge zeigt die angegebene Kapazität. Die Füllung zeigt eine bezifferte Nutzenergie. Offene oder nur eingegrenzte Angaben sind separat markiert.
Mehr als 95 % nutzbar laut Daimler Truck. Exakter Nettowert offen; die Markierung zeigt nur die 95-%-Grenze. Herstellerquelle ↗
Sechs Pakete × 88 kWh nutzbar laut gerundeter Einzelangabe. Kein exakt vermessener Gesamt-Nettowert. Nutzenergie des Angebots bestätigen. Herstellerquelle ↗
Herstellerangaben zur benannten Variante, Stand 10.10.2026. Kein Reichweitenvergleich: Verbrauch, tägliches Ladefenster, Ankunftsreserve und Alterung kommen bei der Tourenplanung hinzu.
Mehr Energie ist ein Vorteil – aber noch kein Reichweitensieg
Mercedes dokumentiert hier den größeren Energiespeicher. Welche Strecke daraus entsteht, hängt zusätzlich vom Verbrauch ab. Ein Vergleich braucht denselben Auflieger, dieselbe Beladung, Strecke und Geschwindigkeit sowie ein abgestimmtes Start- und Ankunftsfenster. Unterschiedliche Herstellerreichweiten erfüllen diese Bedingung nicht.
Gerade bei einem planbaren Depotumlauf kann der kleinere Akku genügen. Dann gehören Gewicht, Beschaffungspreis und Ladebedarf in die Entscheidung. Bei einer längeren Strecke kann zusätzliche Energie dagegen einen Zwischenstopp vermeiden. Für diese Abwägung rechnen wir zuerst den eigenen Auftrag durch, statt einer kWh-Zahl automatisch den Gesamtsieg zu geben.
LFP und NMC: Der Unterschied steckt in der Kathode.
Beide gehören zur Familie der Lithium-Ionen-Akkus. Anode, Separator und Elektrolyt erfüllen dieselben Aufgaben. Das namensgebende Material der positiven Elektrode ist verschieden.
Lithium-Eisenphosphat
Kathodenmaterial: LiFePO₄
Mercedes-Benz eActros 600
Eisen + Phosphat
Kein Nickel oder Kobalt in der Kathode.
Nickel-Mangan-Kobalt
Kathodenmaterial: Li(Ni,Mn,Co)O₂
MAN eTGX · neue Generation 2026
Metalloxid-Mischung
Das Verhältnis der Metalle variiert.
- 01Anode · negative Elektrode
Hier vereinfacht als Graphit gezeigt.
- 02Separator · Trennschicht
Trennt die Elektroden; lässt Ionen passieren.
- 03Kathode · positive Elektrode
Hier unterscheiden sich LFP und NMC.
- 04Elektrolyt · Ionenleiter
Benetzt die porösen Schichten und transportiert Ionen.
Vereinfachte Explosionszeichnung, nicht maßstäblich. Keine Abbildung eines BYD-, MAN-, SANY- oder Mercedes-Batteriepacks. Schichten zur Erklärung auseinandergezogen; Zellformat und Bauform können variieren. Beim Entladen wandern Lithiumionen zur Kathode, Elektronen fließen über den äußeren Stromkreis.
Was das im Lkw bedeutet
Material der Kathode
LFPEisen und Phosphat; kein Nickel oder Kobalt im Kathodenmaterial.
NMCNickel, Mangan und Kobalt; ihr Mischungsverhältnis variiert.
Energie pro Kilogramm
LFPTypischerweise geringer auf Zellebene.
NMCHöhere spezifische Energie auf Zellebene möglich.
Thermische Stabilität
LFPVorteil der Zellchemie bei thermischer Stabilität.
NMCThermische Absicherung besonders relevant. Kein Maß für das Brandrisiko des kompletten Lkw.
Kälte & Schnellladen
LFPTemperatur und Vorkonditionierung bestimmen die nutzbare Ladeleistung mit.
NMCAuch hier zählen Temperatur, Ladezustand und die tatsächliche Ladekurve.
Lebensdauer im Betrieb
LFPAus „LFP“ folgt keine konkrete Zyklenzahl oder Fahrzeuggarantie.
NMCAus „NMC“ folgt kein festes Lebensdauerdefizit. Einsatzprofil und Zellqualität zählen.
Packgewicht, Kühlung, Batteriemanagement und freigegebene Ladefenster mitprüfen. Aus der Zellchemie allein lässt sich kein Nutzlast-, Ladezeit- oder Haltbarkeitsgewinner ableiten.
Grafik: Redaktion eTrucks24 · Grundlagen: DOE: Funktionsprinzip, EPA: Zellbestandteile, IEA: Zellchemien, DOE: thermische Stabilität, NLR: Alterung · Stand 10.10.2026
LFP und NMC: Packgewicht und Kälte konkret prüfen
Die Zellchemien unterscheiden sich bei Materialien, spezifischer Energie und thermischer Stabilität. Das erklären unsere Zeichnungen und der Grundlagenvergleich. Die Eigenschaften einer Zelle dürfen aber nicht mit dem Leergewicht oder dem Brandrisiko des kompletten Lkw gleichgesetzt werden. Gehäuse, Kühlung, Schutzsysteme und Einbau zählen mit.
Für eine gewichtskritische Tour verlangen wir die tatsächliche Fahrzeugmasse mit allen bestellten Extras. Für den Winter verlangen wir einen Ablauf mit kalter Standzeit, Vorkonditionierung und anschließender Ladung. Die entscheidenden Ergebnisse sind verfügbare Energie zur Abfahrt und wiederholbare Ladezeit. Aus LFP oder NMC allein lässt sich kein Ergebnis dieser Fahrzeugprüfung vorhersagen.

Die Modellbezeichnung reicht allein nicht.
Die Seitenansicht zeigt den neuen eTGX 20.600 am Messestand. Paketanzahl, Nutzenergie und bestellte Ladeausstattung gehören zusätzlich ins Angebot. Das Foto belegt keine bestimmte Batteriebestückung.
- Sechs-Paket-4×2 und Sieben-Paket-6×2 getrennt halten.
- Liefertermin der konkreten Konfiguration bestätigen.
- Leergewicht einschließlich aller Extras anfordern.
Ähnlicher Name. Andere Batterie.
534 kWh installiert / brutto
480 kWh nutzbarNutzbare Energie laut Hersteller. Dieser Wert gehört zur bisherigen Sechs-Paket-Version.
Datenquelle ↗552 kWh installiert / brutto
Rund 528 kWh nutzbarSechs Pakete × 88 kWh. Rechnerische Summe gerundeter Herstellerwerte; genaue Zusage anfordern.
Datenquelle ↗Die neue 6×2-Version mit sieben Paketen und 644 kWh brutto ist ein weiteres Fahrzeugkonzept. Sie wird hier nicht zur Sechs-Paket-Zugmaschine hinzugerechnet.
MCS: ein angekündigter Anschluss löst die heutige Tour noch nicht
Daimler Truck nennt am 5. Oktober 2026 das zweite Halbjahr 2027 für MCS. Wer vorher auf diesen Anschluss angewiesen ist, braucht eine andere belastbar verfügbare Lösung. Beim MAN muss die optionale Ausstattung ebenfalls Bestandteil des konkreten Angebots und Liefertermins sein.
Für beide Fahrzeuge ist die Spitzenleistung nur eine Obergrenze. Lassen Sie eine feste Energiemenge am vorgesehenen Standort nachladen und messen Sie den gesamten Aufenthalt. Eine Rechnung „Energie geteilt durch Maximalleistung“ unterschätzt die Zeit, wenn der Akku diese Leistung nur kurz annimmt oder die Station sie teilt. Dazu passt der Ratgeber zu Ladeanschlüssen und Ladekurven.

Der Anschluss ist erst der Anfang.
Der eActros 600 neben einer Ladeanlage macht die Schnittstelle sichtbar. Ob die geplante Pause reicht, entscheiden freigegebene Hardware, Akkutemperatur und der gesamte Ladeverlauf.
- Feste Energiemenge statt nur Spitzenleistung vergleichen.
- Ladekurve bei warmem und kaltem Akku verlangen.
- Leistungsteilung an der tatsächlichen Station prüfen.
Was vor einer Bestellung auf dem Tisch liegen sollte
- Modelljahr, Paketanzahl, bestätigte Nutzenergie und tägliches Ladefenster.
- Leergewicht und Achslasten mit vergleichbarer Ausstattung.
- Ladeprotokoll sowie verbindlicher Lieferstand der benötigten Schnittstelle.
- Kapazitätsgarantie mit Messverfahren, Mindestwert und vereinbarter Abhilfe.
Unser Urteil: Mercedes bringt in diesem Paar den größeren dokumentierten Energievorrat mit; MAN nennt den früheren MCS-Serienstand. Welcher Vorteil die eigene Tour verbessert, muss der Einsatzversuch zeigen. Ergänzend vergleichen wir BYD mit der bisherigen MAN-Generation und Mercedes mit Volvos großer Batterieversion.