EINSATZ & REICHWEITE

Welche Reichweite braucht Ihr Elektro-Lkw wirklich?

Eine Kilometerzahl im Datenblatt beantwortet noch nicht, ob ein Fahrzeug Ihre Tour schafft. Entscheidend ist der Energiebedarf zwischen zwei verlässlich erreichbaren Ladepunkten.

Beginnen Sie mit der Tour, nicht mit der Batterie

Erfassen Sie für eine repräsentative Arbeitswoche die Strecken, Beladungen und Standzeiten. Nehmen Sie auch die längste regelmäßig gefahrene Tour auf. Ein Durchschnitt verdeckt genau die Tage, an denen wenig Zeit zum Nachladen bleibt. Halten Sie fest, ob das Fahrzeug zum eigenen Depot zurückkehrt oder an wechselnden Orten übernachtet.

Teilen Sie die Tour anschließend in Abschnitte zwischen gesicherten Ladegelegenheiten. Ein Ladepunkt zählt erst dann als gesichert, wenn das Fahrzeug dort mit seinem Aufbau und gegebenenfalls Auflieger stehen kann, die Leistung ausreicht und der Zugang zu Ihrer Ankunftszeit möglich ist.

Eine Beispielrechnung für das Einsatzfenster

Rechenbeispiel, keine Fahrzeugangabe

400 kWh nutzbare Batterie × 70 % vorgesehenes Ladefenster = 280 kWh für die Tour. Bei angenommenen 120 kWh je 100 km ergibt das rechnerisch rund 233 km.

Die 70 Prozent beschreiben hier etwa den Bereich von 90 auf 20 Prozent Ladezustand. Diese Restladung ist bereits im Beispiel berücksichtigt. Eine zusätzliche Reserve lässt sich durch ein engeres Ladefenster oder einen höheren angesetzten Verbrauch abbilden. Das Beispiel ersetzt keine Messung an Ihrer Strecke.

Herstellerwerte richtig lesen

Mercedes-Benz nennt für den eActros 600 eine Reichweite von 500 km ohne Nachladen. Solche Angaben gehören immer zu den genannten Testbedingungen und zur Fahrzeugkonfiguration. Sie sind keine Zusage für jede Nutzlast, jedes Wetter und jede Strecke.

Diese Angaben gehören in Ihre Probefahrt

  • Fahrzeugkonfiguration, Aufbau und tatsächliche Beladung.
  • Abfahrts- und Ankunftsladezustand sowie gefahrene Kilometer.
  • Wetter, Geschwindigkeit, Höhenprofil und Nebenverbraucher.
  • Gemessene Energie am Fahrzeug und am Ladezähler – getrennt dokumentiert.

Planen Sie anschließend ein alternatives Ladefenster für Verspätungen. Für die wirtschaftliche Betrachtung verwenden Sie den Energiebezug am Zähler: Er umfasst auch Verluste beim Laden. Im Kostenrechner können Sie diesen Verbrauch selbst einsetzen.